Sonntag, 10. August 2008

Der Campingpark Sanssouci stellt auf seiner Internetsite nicht nur sich und die verschiedenen Einrichtungen vor, sondern porträtiert auch einzelne Besucher. Dabei stieß ich auf die Geschichte der Familie Esser. Die stelle ich deshalb in den Blog, weil sie auch meine Einstellung zum Urlaub wiedergibt. Ich muss nicht die Erasco-Dose von zu Hause mitnehmen, wenn ich an einem neuen Ort bei einem Essen Regionaltypisches und Einheimische kennen lernen kann. Dass das Ehepaar vorrangig über die Gastronomie beim Campen erzählt und auch noch Esser heißt, ist ein ganz amüsanter Nebenaspekt.

Ulrike Esser liegt gemütlich auf dem Liegestuhl vor ihrem Wohnwagen. Drinnen rumort ihr Mann Hans-Peter, bald darauf kommt er heraus, in der Hand eine Flasche Bier. Es ist später Samstagnachmittag, das Ehepaar hat schon eine Woche auf dem Campingpark Sanssouci-Gaisberg verbracht und fühlt sich anscheinend pudelwohl. Hund Rocco schnuppert an den Beinen von Ulrike Esser und sucht sich ein schattiges Plätzchen, legt sich nach drei Runden hin, und schläft einfach ein. Hans-Peter Esser holt sich einen Klapphocker, setzt sich und sagt in seinem unnachahmlichen rheinischen Dialekt, „der fühlt sich hier sauwohl.“ Sie kommen nun schon im dritten Jahr auf den Platz, den sie wegen seiner Bäume und der Havel lieben, aber auch wegen des Komforts, den er bietet.

Ein Gefühl der Gelassenheit liegt über dem kleinen Areal, in dem der Wohnwagen der Essers steht, die beiden lachen viel, die Erholung hat also schon gegriffen. Seit einer Woche sind sie schon da – und wollen noch eine zweite bleiben. Dann muss Ulrike Esser wieder zurück zu ihrer Arbeit, sie ist Buchhalterin. Bei der Arbeit in Mönchengladbach haben die beiden sich kennen gelernt. Er ist nun Rentner, war Bilanzbuchhalter in derselben Firma und ihr Chef, 1996, nach einigen „wilden Jahren“, wie sie beide lachend sagen, haben sie geheiratet.

In den großen Ferien fahren sie entweder nach Frankreich, nach Italien oder nach Österreich. Der Campingurlaub hat Völker verbindende Funktion, darüber sind sie sich einig. Haben sie doch vor achtzehn Jahren an der Dordogne ein Paar aus Paris kennen gelernt, mit dem sie immer noch in Kontakt sind. An Frankreich und der Toskana gefällt den beiden besonders das gute Essen und natürlich die Landschaft, und sie amüsieren sich königlich über holländischen Camper, die alles, was sie für ihren Urlaub benötigen, mitbringen. Das ist nicht ihre Sache, sie lieben es, durch das Essen einen anderen Geschmack zu kosten und dabei auch neue Menschen kennen zu lernen. Denn nichts ist so kommunikativ wie ein Restaurant, in dem entspannte Gäste sitzen. Die Unterhaltung übernimmt dann Ulrike Esser, sie kann Französisch und Englisch, auch ein bisschen Italienisch. Aber so, wie Hans-Peter Esser offen auf jeden zugeht, den er trifft, kann er wahrscheinlich auch ohne Sprachkenntnisse beste Kontakte machen. Die Toskana, Burgund, Südtirol, die Ardèche und die Normandie haben sie schon bereist – und sie werden weiter die Welt erkunden. Da könnte man schon ein bisschen neidisch werden, wenn man sieht, wie dieses Paar mit sich selbst im Reinen ist und wie sie ihre touristische Neugier mit Genuss und Gelassenheit zu verbinden wissen. Auch Hund Rocco weiß dies zu schätzen, der gerade wieder aufgestanden ist, um sich ein neues, noch schattigeres Plätzchen zu suchen.

Foto: Campingpark Sanssouci

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